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Wohnraum für ein selbstbestimmtes Leben schaffen

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18. Feb 2022

Wohnraum für ein selbstbestimmtes Leben schaffen
Wohnraum für ein selbstbestimmtes Leben schaffen

Zum Tag der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar 2022 macht die Lebenshilfe Grafschaft Diepholz auf die notwendige Schaffung von passendem Wohnraum aufmerksam. Der Wohnungsmarkt erweist sich immer häufiger als Hindernis auf dem Weg zu mehr Teilhabe.

Max Kempin (Name geändert) ist 35 Jahre alt und lebt in Sulingen. Von Geburt an leidet er unter einer kognitiven Beeinträchtigung. Der 35-Jährige kann nicht lesen. Er kann nicht schreiben. Das Bundesteilhabegesetz sichert ihm neben gleichberechtigter Teilhabe eine selbstbestimmte Lebensführung zu. Dazu zählt gegebenenfalls auch der Bezug einer eigenen Wohnung. Soweit die Theorie: „In der Praxis sieht das leider anders aus”, weiß Jörn Frese, Leiter des Ambulant Betreuten Wohnens der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz. Die Situation auf dem Wohnungsmarkt mache der Hilfeplanung nicht selten einen Strich durch die Rechnung.

2009 riefen die Vereinten Nationen erstmals den Tag der sozialen Gerechtigkeit aus. Seitdem wird am 20. Februar weltweit an soziale Unstimmigkeiten erinnert. Jörn Frese und Mitstreiter nutzen den Aktionstag 2022 für den Aufruf, Menschen mit Beeinträchtigungen bei der Ausübung einer selbstbestimmten Lebensführung zu unterstützen.

Max Kempin ist einer der Klienten, den Jörn Frese und die weiteren pädagogischen Mitarbeiter des Ambulant Betreuten Wohnens (ABW) der Lebenshilfe unterstützen; in enger Abstimmung mit den Mitarbeitern des Landkreises Diepholz als örtlichem Träger der Eingliederungshilfe, der rechtlichen Betreuung Kempins sowie dessen Angehörigen. „Die Arbeit im Netzwerk ist wichtig, um tatsächlich Teilhabe und Selbstbestimmung zu ermöglichen”, sagt Jörn Frese.

Grundlage des Wirkens der ABW-Mitarbeiter seien die Hilfeplangespräche, die die Mitarbeiter des Trägers der Eingliederungshilfe mit den Beeinträchtigten führen und in denen mit den Betroffenen konkrete Ziele für den weiteren persönlichen Lebensweg erarbeitet werden. Die Lebenshilfe-Mitarbeiter unterstützen „in der Bewältigung der Aufgaben, die das Leben stellt”, erklärt Frese, „angefangen bei der Haushaltsführung über die Besuche von Ärzten und Behörden bis hin zur aktiven Freizeitgestaltung.” 

Nicht selten brächten Menschen mit Beeinträchtigungen, die bisher in einer Wohngruppe leben, in die Hilfeplangespräche Wünsche ein, eigene Wohnungen zu beziehen. Jörn Frese: „Im Netzwerk versuchen wir dann den rechtlichen Rahmen zu schaffen, den Klienten die Wünsche zu erfüllen.” Aber: „Der örtliche Wohnungsmarkt erweist sich immer mehr als Hindernis, das kaum zu überspringen ist.” Hürde sei weniger der Mietpreis pro Quadratmeter, sondern mehr der Zuschnitt der Wohnungen, die aktuell auf dem Markt zur Verfügung stehen.

Max Kempin ist Empfänger von Grundsicherung. Jörn Frese: „Demnach stehen ihm zusätzlich Zuwendungen für angemessenen Wohnraum zu; das sind so um die 45 oder 50 Quadratmeter für Alleinstehende.” Würde sich Kempin für eine größere Wohnung entscheiden, müsste er selbst die Mehrkosten tragen; bei einem Grundsicherungssatz für Alleinstehende von aktuell 449 Euro im Monat kein leichtes Unterfangen.

Jörn Frese: „Was also fehlt, ist Wohnraum, der nicht nur barrierefrei, sondern auch angemessen zugeschnitten ist. Und wir brauchen Bauherren und Vermieter, die Menschen mit Beeinträchtigungen eine Chance geben und damit Teilhabe ermöglichen.”

Die Lebenshilfe Grafschaft Diepholz selbst war schon 2020 mit gutem Beispiel vorangegangen. In dem gemeinsam mit der „casa”-Baubetreuungsgesellschaft realisierten Inklusiven Wohnprojekt am Schwafördener Weg in Sulingen wurden 13 der insgesamt 21 Wohnungen und Appartements auf die 
Bedürfnisse von Klienten wie Max Kempin zugeschnitten. Jörn Frese: „Doch helfen können wir ihm aktuell auch nicht. Nach wie vor sind alle Wohneinheiten belegt.”

Autor: Carsten Schlotmann 


Foto: Jörn Frese, Leiter Ambulant Betreutes Wohnen Lebenshilfe Grafschaft Diepholz © Lebenshilfe Grafschaft Diepholz

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