Neuanfang nach einem Kraftakt: Paul-Moor-Schulen starten als Förderschulen in freier Trägerschaft

16.07.2026

Neuanfang nach einem Kraftakt: Paul-Moor-Schulen starten als Förderschulen in freier Trägerschaft
Neuanfang nach einem Kraftakt: Paul-Moor-Schulen starten als Förderschulen in freier Trägerschaft

Geschäftsführerin Eva Brischke-Bau blickt auf 18 Monate intensiver Arbeit zurück, dankt Mitarbeitenden und Unterstützern – und appelliert an mehr Miteinander im Interesse von Kindern mit Beeinträchtigung.

Geschäftsführerin Eva Brischke-Bau blickt auf 18 Monate intensiver Arbeit zurück, dankt Mitarbeitenden und Unterstützern – und appelliert an mehr Miteinander im Interesse von Kindern mit Beeinträchtigung .

Mit der Anerkennung der Paul-Moor-Schulen als Förderschulen mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung in freier Trägerschaft erreicht die Lebenshilfe Grafschaft Diepholz einen Meilenstein in ihrer Geschichte. Was für Schüler * innen und Schüler , Eltern und Mitarbeitende heute Planungssicherheit bedeutet, ist das Ergebnis eines rund 18 Monate dauernden Veränderungsprozesses, der die gesamte Organisation fachlich, organisatorisch und menschlich in außergewöhnlichem Maße gefordert hat.

„Heute überwiegen Stolz und Erleichterung“, erklärt Eva Brischke-Bau, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz. „Hinter diesem Erfolg liegen unzählige Gespräche, Konzepterstellungen, Abstimmungen und Entscheidungen. Unser Antrag wurde bereits im März 2025 gestellt. Gleichzeitig haben wir unser pädagogisches Konzept von 34 auf rund 130 Seiten erweitert und den gesamten Schulbetrieb auf neue rechtliche Anforderungen ausgerichtet.“

Obwohl die Lebenshilfe seit mehr als sechs Jahrzehnten Kinder und Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung erfolgreich beschult, wurde der Wechsel rechtlich wie eine Neugründung behandelt. Daraus ergaben sich umfangreiche Prüfungen, Nachweise und zusätzliche Qualifizierungen. „Das war für viele Kolleginnen und Kollegen nur schwer nachvollziehbar. Dennoch haben wir jede Anforderung angenommen und konsequent umgesetzt – immer mit dem Ziel, die Zukunft unserer Schüler*innen zu sichern“, so Brischke-Bau.

Als wichtigen Erfolg bewertet die Geschäftsführerin die gesetzliche Neuregelung zur Finanzierung freier Schulen. Dass künftig bereits ab dem ersten Tag ein Anspruch auf Finanzhilfe besteht und die bisherige dreijährige Vorfinanzierung entfällt, sei ein entscheidender Schritt für mehr Chancengleichheit und Planungssicherheit.

„Im Januar 2026 gab es Momente, in denen ich dachte: Wir schaffen das nicht. Die Anforderungen wurden immer größer. Heute bin ich dankbar, dass wir diesen Weg gemeinsam gegangen sind und Familien nun eine verlässliche Perspektive bieten können.“

Ein Erfolg vieler Menschen

Eva Brischke-Bau betont ausdrücklich, dass die Anerkennung das Ergebnis einer außergewöhnlichen Gemeinschaftsleistung ist.

„Mein besonderer Dank gilt unseren Einrichtungsleitungen sowie den Mitarbeitenden in der Verwaltung. Sie haben weit über ihre eigentlichen Aufgaben hinaus gearbeitet, Konzepte entwickelt, Unterlagen vorbereitet und den gesamten Prozess mit hoher Professionalität begleitet.“

Ebenso richtet sie ihren Dank an alle Mitarbeitenden der Paul-Moor-Schulen: „Sie haben den Schulalltag trotz großer Unsicherheit mit beeindruckender Verlässlichkeit gestaltet und dabei nie das Wohl der Kinder und Jugendlichen aus den Augen verloren.“

Ein ausdrücklicher Dank gilt außerdem dem Landkreis und der Politik, besonders Kreisrätin Marion Korfage sowie den Fachdienstleitern Rainer Norzel und Thorsten Abeling. Nach den Worten der Geschäftsführerin haben sie den Prozess mit Vertrauen, Offenheit und konstruktiver Unterstützung begleitet und damit wesentlich zum Gelingen beigetragen.

Klare Worte im Rückblick

Neben aller Freude verschweigt Brischke-Bau nicht, dass sie sich während des Verfahrens an einigen Stellen mehr Zusammenhalt gewünscht hätte. Kritisch bewertet sie insbesondere das Verhalten des Vorstandes des Kreisbehindertenbeirates. Aus ihrer Sicht wurden Eltern in einer ohnehin belastenden Situation zusätzlich verunsichert, statt den notwendigen Wandel konstruktiv zu begleiten.

Einige Eltern hatten sich mit Sorge an die Vorsitzende des Kreisbehindertenbeirates gewendet, den sie hatten Angst, dass ihre Kinder nicht mehr beschult werden können. Statt sich für den Wandel und den Erhalt der Schulplätze im Landkreis einzusetzen, sollte ein Positionspapier auf den Weg gebracht werden, dass das Vorhaben fast zunichte gemacht hätte.

„Gerade wenn es um die Zukunft von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen geht, wünsche ich mir einen respektvollen Dialog und die Bereitschaft, gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Unterschiedliche Auffassungen gehören dazu – entscheidend ist jedoch, dass das Wohl der betroffenen Menschen immer an erster Stelle steht.“

Blick nach vorn

Mit der staatlichen Anerkennung beginnt für die Lebenshilfe Grafschaft Diepholz nun ein neues Kapitel. Die Paul-Moor-Schulen werden ihre bewährte pädagogische Arbeit fortführen und zugleich die Chancen der neuen Schulform aktiv gestalten.

„Diese Anerkennung ist für uns kein Schlusspunkt, sondern ein Auftrag. Wir wollen unsere pädagogische Qualität weiterentwickeln, Inklusion mitgestalten und jedem Kind die Bildung ermöglichen, die seinen individuellen Fähigkeiten entspricht. Dafür werden wir uns auch künftig mit voller Überzeugung einsetzen.“


Foto: Geschäftsführerin Eva Brischke-Bau mit einem von vielen Ordnern, die für die Umwandlung notwendig waren. @Lebenshilfe Grafschaft Diepholz

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